Geschichte in 280 Zeichen – Historische Fakten gegen rechten Populismus? Ein Interview mit Charlotte Jahnz und Moritz Hoffmann

Auf Twitter haben Sie 2013 täglich die Geschehnisse rund um die Reichspogromnacht nachgezeichnet und 2015 »Heute vor 70 Jahren« jeden Tag Ereignisse des Kriegsendes 1945 getwittert. Die Idee des täglichen historischen Tweets wurde mittlerweile zum Beispiel auch vom Karl-Marx-Haus Trier aufgegriffen. Kann man mit 140 bzw. nun 280 Zeichen Geschichte erklären oder erfahrbar machen? MH – Uns war von Anfang an bewusst, dass so kurze Texthäppchen, auch wenn sie in hoher Frequenz gesendet werden, natürlich keine seriöse Erklärung von historischen Ereignissen liefern können. Was so …

Wie Gegenwart schreiben? Das Online-Magazin Geschichte der Gegenwart lebt vom Cross-over zwischen Geschichts- und Kulturwissenschaften

Autoren: Gleb Albert, Brigitta Bernet, Svenja Goltermann, Gesine Krüger, Philipp Sarasin, Sylvia Sasse, Franziska Schutzbach, Janosch Steuwer und Sandro Zanetti (Herausgeber vom Online-Magazin Geschichte der Gegenwart) Geschichtsschreibung ist immer zweierlei: Sie schreibt über Vergangenes – aber sie schreibt in der Gegenwart. Sie befragt Geschichte aus der Perspektive und vom Standpunkt der Gegenwart aus, und sie evoziert Vergangenes mit den Schreibpraktiken und Sprachen, in den Medien und Denkräumen des Heute. Sie trägt damit aber auch das Risiko aller Gegenwart: nicht zu wissen, ob das, was heute …

Wie politisch ist die deutsche Geschichtswissenschaft? – Ein Interview mit Anna-Lena Scholz

Wie wichtig ist Geschichte für unsere Demokratie aus Ihrer Sicht als Journalistin? Es ist – egal ob als Journalistin oder Bürgerin – vor allem wichtig, sich diese Frage überhaupt zu stellen, um sich die Historizität demokratischer Prozesse immer wieder zu vergegenwärtigen. Dafür braucht es natürlich die Geschichtswissenschaft, die in ihrer Forschung die politischen, sozialen, ökonomischen und kulturellen Kontexte sichtbar macht, die Demokratie in der Vergangenheit und Gegenwart verhindert oder ermöglicht haben. Und es braucht Schulen, die dieses Wissen für relevant erachten. Aber natürlich ist die …

The Netherlands: Guest of honor at the 52nd German History Congress – An Interview with Susan Legêne

Dear Prof. Legêne, you are the Chairwoman of the Koninklijk Nederlands Historisch Genootschap (KNHG), which is our guest of honor at the 2018 German Historikertag. How would you describe the functions and goals of your association? What are the most important issues in your term? First of all, thank you very much for the invitation; it is a real honor for KNHG to be the special guest at the Historikertag. And thank you for these questions. KNHG is a membership organization. It has a broad …

Editorial: LIEBE MITGLIEDER DES VERBANDES,

von Eva Schlotheuber   die aktuellen Entwicklungen machen uns mehr als deutlich, wie wichtig historisches Wissen und die Fähigkeit ist, sich in der Geschichte zu orientieren. Umso problematischer ist es, dass das Wissen um die historischen Zusammenhänge in der Vormoderne und der Moderne im Schulunterricht immer weiter in den Hintergrund rückt. Gleichzeitig haben einige Bundesländer den Geschichtsunterricht bereits drastisch zusammengestrichen. Wenn jedoch wir die Wissensvermittlung und den kritischen Umgang mit Fakten und Fiktionen in der Schule nicht in die Hand nehmen, dann werden andere die …

Jenseits des Schulstoffes

Ausbildung von Geschichtslehrern

FACHWISSENSCHAFTLICHE PERSPEKTIVEN ZUR AUSBILDUNG VON GESCHICHTSLEHRERN UND -LEHRERINNEN Autor: Frank Bösch Ein großer Teil unserer Geschichtsstudentinnen und -studenten möchte später an Schulen unterrichten. Häufig haben sie Erwartungen an das Studium, die nicht unserem Angebot entsprechen. Viele wünschen sich einen breiten Überblick und schultaugliche Inhalte, finden dann jedoch eher Spezialthemen jenseits des Lehrplans vor. Statt didaktisch vorbildlicher Veranstaltungen dominieren Vorlesungen und Seminare mit langen Referaten. Neue Ansätze wie die Generationengeschichte, Material Culture oder Human-Animal-Studies treffen auf angehende Geschichtslehrerinnen und -lehrer, die oft handfeste Themen wie »Die …

GEMEINSAME ERKLÄRUNG DES VHD UND DES VGD ZUM SCHULFACH GESCHICHTE

Der Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands und der Verband der Geschichtslehrer Deutschlands haben auf ihren Mitgliederversammlungen auf dem 51. Deutschen Historikertag in Hamburg im September 2016 eine Resolution zum Schulfach Geschichte beschlossen:1 1 Geschichtsunterricht ist unentbehrlich. Angesichts der aktuellen politischen, ökonomischen und sozialen Verwerfungen auf nationaler, europäischer und globaler Ebene muss eine Gegenwartsorientierung auf breiten historischen Bezügen, Vergleichen und Reflexionen beruhen. Der Geschichtsunterricht gewährleistet deren Vermittlung.

Geschichtsunterricht und Geschichtslehrerausbildung heute

Autor: Thomas Sandkühler Die gemeinsame Erklärung von VHD und VGD definiert einen Mindestmaßstab für (guten?) Geschichtsunterricht. Dieser soll »Schülerinnen und Schülern ein reflektiertes Geschichtsbewusstsein vermitteln. Genau darauf zielt eine richtig verstandene Kompetenzorientierung.« Die Erklärung grenzt sich implizit von dem pauschalen Vorwurf etwa des ehemaligen Vorsitzenden des Historikerverbands, Martin Schulze Wessel, ab, der Geschichtsunterricht habe sich in eine neoliberale »Kompetenzfalle« begeben und wolle Fertigkeiten ohne inhaltlichen Bezug vermitteln. Aus Sicht der Geschichtsdidaktik ist die von den beiden Verbänden angestrebte Stärkung des Geschichtsunterrichts, der bildungspolitisch in die …

Ein aktueller Überblick über den Geschichtsunterricht im föderalen System der Bundesrepublik Deutschland

Autoren: Peter Johannes Droste und Ulrich Bongertmann Obwohl die Bedeutung von Geschichte in der Gesellschaft außer Zweifel steht, wird das Schulfach in letzter Zeit wieder stärker diskutiert. Nicht nur die von den Medien intensiv aufgegriffenen Leistungsdefizite in Hinsicht auf elementare Lernziele wie die Unterscheidung von Demokratie und Diktatur, welche die »Schröder-Studie« 2012 aufzeigte, haben dazu beigetragen, sondern auch die Angriffe auf die grundsätzliche Ausrichtung des Unterrichts. Unter den zahlreichen Gründen für die konstatierten Defizite steht unseres Erachtens an erster Stelle der Rückgang der Unterrichtszeit. Dann …

Geschichtswissenschaft und Geschichtsdidaktik im Dialog. Migration und Kolonisation in Wissenschaft und Unterricht

Autorinnen: Jessica Kreutz und Sitta von Reden Das Freiburger Tandemkonzept Seit dem Wintersemester 2015/16 bieten die Pädagogische Hochschule Freiburg und das Historische Seminar der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg gemeinsame Hauptseminare an, die Studierende frühzeitig an den Zusammenhang von Geschichtswissenschaft und Geschichtsdidaktik heranführen sollen. Die zweisemestrigen »Tandemseminare« werden von je einem Dozierenden der Pädagogischen Hochschule und der Universität kollegial veranstaltet und von Studierenden beider Hochschulen besucht. Im ersten Semester wird ein fachwissenschaftliches Seminar zu einem schulrelevanten Thema gehalten. Bereits bei der Auswahl der Inhalte und der Lektüre spielen …