Generalversammlung des CISH in Moskau – Ein Reisebericht

Autorin: Nora Hilgert  – Geschäftsführerin VHD Die Dienstreise an und für sich gehört für uns alle zum Berufsleben. Kurzstrecke, Langstrecke, Auto, Bus, Bahn oder gar das Flugzeug. Herausforderungen unseres mobilen Lebens. Die Arbeitsroutine bei Vorstand, Ausschuss und mir als Geschäftsführerin des VHD ist davon nicht ausgenommen, speziell nicht, wenn es gilt, internationale Termine wahrzunehmen. Im Oktober 2017 war der VHD als Mitglied des CISH zur routinemäßigen Generalversammlung eingeladen worden. Der Internationale Historikerverband lädt seine Mitglieder, die nationalen Verbände und internationalen Gesellschaften in einem Fünfjahreszeitraum zweimal …

Geisteswissenschaften in der Defensive? Neue Perspektiven und Herausforderungen -Ein Interview mit Eva Schlotheuber

Liebe Frau Schlotheuber, im September 2016 auf dem Historikertag in Hamburg wurden Sie zur Vorsitzenden des VHD gewählt. Was ging Ihnen damals durch den Kopf? Auf der Mitgliederversammlung ging es vor meiner Wahl ja recht turbulent zu, sodass ich dachte, hm – das wird sicher spannend! Was hat Sie in der ersten Hälfte Ihrer Amtszeit angetrieben? In den zurückliegenden zwei Jahren gab es einige »alte«, aber auch neue Anliegen, die den Verband und mich als Vorsitzende beschäftigt haben. Zu den zentralen alten Anliegen gehört die …

Transcribathon Europeana 1914-1918 kommt zum Historikertag 2018 nach Münster

Auf dem 52. Deutschen Historikertags in Münster findet dieses Jahr ein einzigartiger Transkriptions-Wettbewerb statt. Der Transcribathon Historikertag Münster 2018 bietet die Gelegenheit, die Kunst der Transkription zu erlernen und die privaten Dokumente und Erinnerungsstücke aus dem Ersten Weltkrieg zu erkunden. Bei der Veranstaltung sollen so viele Briefe, Tagebücher und andere schriftliche Quellen wie möglich aus der Online-Sammlung Europeana 1914-1918 transkribiert und annotiert werden. Beim Transcribathon transkribieren Teams aus drei bis vier Personen die historischen Quellen um die Wette. Jedes Team bekommt Tagebücher, Briefe und Postkarten …

Auszug aus der Komfortzone?

Ein Artikel von Lutz Raphael   »Die meisten von uns dürfen zwar von sich behaupten, dass sie gute Arbeiter waren. Aber waren wir auch immer gute Staatsbürger?« (Marc Bloch) Die Debatte darüber, ob Historiker sich mehr in die öffentlichen Debatten einmischen sollen, ist ein Evergreen. Die Frage entsteht angesichts anhaltender Politikdistanz, ja -abstinenz der meisten Fachvertreter; dass sie vor allem unter uns diskutiert wird, verweist wiederum auf eine eher geringe Nachfrage in der politischen Öffentlichkeit nach irgendwelchen historischen Kontroversen mit Aktualitätsbezug. Nur ein kleiner Kreis …

The politics of history in Hungary

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Ein Artikel von Nora Berend A crown, sent to Stephen by the head of the Christian Church to consecrate him king. King, who creates a nation and a homeland […]. This crown made it possible for Hungary to join Europe […]. This alone would have been sufficient […] to see it as the living symbol of the Hungarian state, the expression of national unity […]. This is why Hungarians still exist outside the borders of the country, and the crown of St. Stephen is their …

Die Bedeutung von Geschichtsbildern und Geschichtswissenschaft in Gesellschaften der arabischen Welt von heute

Autorin: Sonja Hegasy Die arabische Welt kämpft derzeit im wahrsten Sinne des Wortes mit ihrem postkolonialen Erbe. Die mit dem Ende der europäischen Fremdherrschaft verbundenen Hoffnungen sind für viele Bürger spätestens seit der Jahrtausendwende aufgebraucht – ein Aspekt, der in der Berichterstattung über die andauernden kriegerischen Auseinandersetzungen in der Region kaum angesprochen wird. Zu lange nutzte eine Riege autoritärer Herrscher die antikoloniale Legitimation und den Vertrauensvorschuss der Bevölkerung, um sich auf Dauer in zentralen Positionen des Staates festzusetzen und das Land wirtschaftlich auszubeuten. Mit ihrer …

Wie politisch ist die deutsche Geschichtswissenschaft? – Ein Interview mit Sven Felix Kellerhoff

Rembrandt van Rijn, „Der Philosoph“ (1633) – Darstellung eines Innenraums des Elfenbeinturms

Wie wichtig ist Geschichte für unsere Demokratie aus Ihrer Sicht als Journalist? Geschichte ist das Bild, das sich eine Gesellschaft von ihrer eigenen Vergangenheit macht – deshalb übrigens ist Geschichte volatil, während Vergangenheit selbstverständlich statisch ist. Für die Identität, das Selbstverständnis jeder Gesellschaft ist Geschichte deshalb schlechterdings essenziell, auch wenn natürlich andere Faktoren hinzukommen, die gemeinschaftsprägend sind. Unsere Gesellschaft ist demokratisch; dazu gehört die historisch gewachsene Wertschätzung für das sicher oft anstrengende und manchmal sogar frustrierende politische Geschäft. Weil aber Demokratie keineswegs eine Selbstverständlichkeit ist, …

Politics of History – Politicians against Historians (An Interview with Paweł Machcewicz)

Interviewer: Monika Heinemann The current Polish government’s policy on history has been criticized repeatedly in recent years, both domestically and abroad. The amendment made in January 2018 to the Law on the Institute of National Remembrance (IPN), known as the “Holocaust Law” in international media, has had a particular resonance beyond the borders of the country. How do you gauge the significance of this legislation for the perspective on twentieth-century Polish history disseminated by the institute? As a historian and as a citizen of Poland …

Geschichte in politischen Reden – Ein Interview mit Ralf Beste

Sie kennen politische Reden aus zwei Blickwinkeln – dem des Journalisten und dem des Planungsstabs. Wie wichtig ist Geschichte als Argument in politischen Reden? Die klassische Form der Verwendung von Geschichte in politischen Reden hat etwas Ermüdendes. Da wird, nahezu beliebig, irgendein halbwegs runder Jahrestag bemüht und dann ein pathetischer Bezug zur Gegenwart gedrechselt. Das klingt dann etwa so: »Gerade heute, 100 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, dürfen wir Fragen von Krieg und Frieden nicht mit Gleichmut begegnen.« Eigentlich gilt die Aussage unabhängig …

Gesellschaft braucht Geschichte: Perspektiven aus dem Studium

Foto von Io Josefine Geib, Gedenktafel vor Goethe-Universität

Ein Artikel von Io Josefine Geib Ich studiere Geschichte mit Begeisterung. Denn die Auseinandersetzung mit Geschichte bedeutet genau das Gegenteil von Stillstand: Bewegung. Geschichtswissenschaft zu betreiben bedeutet für mich, immer wieder neue Fragen an das Vergangene zu stellen. Geschichte verläuft nicht linear, Geschichte ist voller Bewegung und unser Blick auf das, was Geschichte ist, ändert sich permanent: Neue Entwicklungen bedürfen neuer Perspektiven auf Geschichte. Das Verhältnis von Geschichte und Gesellschaft konstituiert sich für mich in einer Wechselwirkung. Wie sehr die Geschichtswissenschaft Teil gesellschaftlicher Verhältnisse ist, …