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Geisteswissenschaften in der Defensive? Neue Perspektiven und Herausforderungen -Ein Interview mit Eva Schlotheuber

Liebe Frau Schlotheuber, im September 2016 auf dem Historikertag in Hamburg wurden Sie zur Vorsitzenden des VHD gewählt. Was ging Ihnen damals durch den Kopf? Auf der Mitgliederversammlung ging es vor meiner Wahl ja recht turbulent zu, sodass ich dachte, hm – das wird sicher spannend! Was hat Sie in der ersten Hälfte Ihrer Amtszeit angetrieben? In den zurückliegenden zwei Jahren gab es einige »alte«, aber auch neue Anliegen, die den Verband und mich als Vorsitzende beschäftigt haben. Zu den zentralen alten Anliegen gehört die …

Gesellschaft braucht Geschichte: Perspektiven aus dem Studium

Foto von Io Josefine Geib, Gedenktafel vor Goethe-Universität

Ein Artikel von Io Josefine Geib Ich studiere Geschichte mit Begeisterung. Denn die Auseinandersetzung mit Geschichte bedeutet genau das Gegenteil von Stillstand: Bewegung. Geschichtswissenschaft zu betreiben bedeutet für mich, immer wieder neue Fragen an das Vergangene zu stellen. Geschichte verläuft nicht linear, Geschichte ist voller Bewegung und unser Blick auf das, was Geschichte ist, ändert sich permanent: Neue Entwicklungen bedürfen neuer Perspektiven auf Geschichte. Das Verhältnis von Geschichte und Gesellschaft konstituiert sich für mich in einer Wechselwirkung. Wie sehr die Geschichtswissenschaft Teil gesellschaftlicher Verhältnisse ist, …

Editorial: LIEBE MITGLIEDER DES VERBANDES,

von Eva Schlotheuber   die aktuellen Entwicklungen machen uns mehr als deutlich, wie wichtig historisches Wissen und die Fähigkeit ist, sich in der Geschichte zu orientieren. Umso problematischer ist es, dass das Wissen um die historischen Zusammenhänge in der Vormoderne und der Moderne im Schulunterricht immer weiter in den Hintergrund rückt. Gleichzeitig haben einige Bundesländer den Geschichtsunterricht bereits drastisch zusammengestrichen. Wenn jedoch wir die Wissensvermittlung und den kritischen Umgang mit Fakten und Fiktionen in der Schule nicht in die Hand nehmen, dann werden andere die …

Jenseits des Schulstoffes

Ausbildung von Geschichtslehrern

FACHWISSENSCHAFTLICHE PERSPEKTIVEN ZUR AUSBILDUNG VON GESCHICHTSLEHRERN UND -LEHRERINNEN Autor: Frank Bösch Ein großer Teil unserer Geschichtsstudentinnen und -studenten möchte später an Schulen unterrichten. Häufig haben sie Erwartungen an das Studium, die nicht unserem Angebot entsprechen. Viele wünschen sich einen breiten Überblick und schultaugliche Inhalte, finden dann jedoch eher Spezialthemen jenseits des Lehrplans vor. Statt didaktisch vorbildlicher Veranstaltungen dominieren Vorlesungen und Seminare mit langen Referaten. Neue Ansätze wie die Generationengeschichte, Material Culture oder Human-Animal-Studies treffen auf angehende Geschichtslehrerinnen und -lehrer, die oft handfeste Themen wie »Die …

GEMEINSAME ERKLÄRUNG DES VHD UND DES VGD ZUM SCHULFACH GESCHICHTE

Der Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands und der Verband der Geschichtslehrer Deutschlands haben auf ihren Mitgliederversammlungen auf dem 51. Deutschen Historikertag in Hamburg im September 2016 eine Resolution zum Schulfach Geschichte beschlossen:1 1 Geschichtsunterricht ist unentbehrlich. Angesichts der aktuellen politischen, ökonomischen und sozialen Verwerfungen auf nationaler, europäischer und globaler Ebene muss eine Gegenwartsorientierung auf breiten historischen Bezügen, Vergleichen und Reflexionen beruhen. Der Geschichtsunterricht gewährleistet deren Vermittlung.

Geschichtsunterricht und Geschichtslehrerausbildung heute

Autor: Thomas Sandkühler Die gemeinsame Erklärung von VHD und VGD definiert einen Mindestmaßstab für (guten?) Geschichtsunterricht. Dieser soll »Schülerinnen und Schülern ein reflektiertes Geschichtsbewusstsein vermitteln. Genau darauf zielt eine richtig verstandene Kompetenzorientierung.« Die Erklärung grenzt sich implizit von dem pauschalen Vorwurf etwa des ehemaligen Vorsitzenden des Historikerverbands, Martin Schulze Wessel, ab, der Geschichtsunterricht habe sich in eine neoliberale »Kompetenzfalle« begeben und wolle Fertigkeiten ohne inhaltlichen Bezug vermitteln. Aus Sicht der Geschichtsdidaktik ist die von den beiden Verbänden angestrebte Stärkung des Geschichtsunterrichts, der bildungspolitisch in die …

Ein aktueller Überblick über den Geschichtsunterricht im föderalen System der Bundesrepublik Deutschland

Autoren: Peter Johannes Droste und Ulrich Bongertmann Obwohl die Bedeutung von Geschichte in der Gesellschaft außer Zweifel steht, wird das Schulfach in letzter Zeit wieder stärker diskutiert. Nicht nur die von den Medien intensiv aufgegriffenen Leistungsdefizite in Hinsicht auf elementare Lernziele wie die Unterscheidung von Demokratie und Diktatur, welche die »Schröder-Studie« 2012 aufzeigte, haben dazu beigetragen, sondern auch die Angriffe auf die grundsätzliche Ausrichtung des Unterrichts. Unter den zahlreichen Gründen für die konstatierten Defizite steht unseres Erachtens an erster Stelle der Rückgang der Unterrichtszeit. Dann …

Geschichtswissenschaft und Geschichtsdidaktik im Dialog. Migration und Kolonisation in Wissenschaft und Unterricht

Autorinnen: Jessica Kreutz und Sitta von Reden Das Freiburger Tandemkonzept Seit dem Wintersemester 2015/16 bieten die Pädagogische Hochschule Freiburg und das Historische Seminar der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg gemeinsame Hauptseminare an, die Studierende frühzeitig an den Zusammenhang von Geschichtswissenschaft und Geschichtsdidaktik heranführen sollen. Die zweisemestrigen »Tandemseminare« werden von je einem Dozierenden der Pädagogischen Hochschule und der Universität kollegial veranstaltet und von Studierenden beider Hochschulen besucht. Im ersten Semester wird ein fachwissenschaftliches Seminar zu einem schulrelevanten Thema gehalten. Bereits bei der Auswahl der Inhalte und der Lektüre spielen …

Kompetenzorientierte Lehrpläne für das Schulfach Geschichte

Pro und Contra Contra  »Der Ansatz bedroht das Fach in seiner Substanz.« Ein Interview mit Burkard Chwalek In mehreren Bundesländern, so nun auch in Rheinland-Pfalz, liegen den neuen Lehrplänen für das Fach Geschichte Kompetenzmodelle zugrunde. Der Unterricht soll zum Erwerb mehrerer unter- und übergeordneter Kompetenzen beitragen (Allgemeine Kompetenzen, Fachkompetenzen und Leitkompetenzen). Sie kritisieren die Ausrichtung auf Kompetenzen im Lehrplan. Welche Gefahren sehen Sie? Mit dem Wort »Kompetenzen« sind vielfach ganz allgemeine, sehr diffuse Vorstellungen verbunden. Gemeint ist dann in der Regel so etwas wie die …

Kompetenzorientierte Lehrpläne für das Schulfach Geschichte

Pro und Contra Pro »Inhalte stehen nicht zur Disposition.« Ein Interview mit Ralph Erbar In mehreren Bundesländern, so nun auch in Rheinland-Pfalz, liegen den neuen Lehrplänen für das Fach Geschichte Kompetenzmodelle zugrunde. Der Unterricht soll zum Erwerb mehrerer unter- und übergeordneter Kompetenzen beitragen (allgemeine Kompetenzen, Fachkompetenzen und Leitkompetenzen). Sie haben an dem neuen Fachlehrplan Geschichte mitgearbeitet. Welche Überlegungen führten zu dieser Neuorientierung im Lehrplan? Der alte Lehrplan für die Sekundarstufe I (Klasse 7–10) war über 15 Jahre alt und entsprach wissenschaftlich, didaktisch und methodisch nicht …