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Studierende als Kunden, Universitäten als Dienstleister – Zum Wandel des Wissenschaftssystems in Großbritannien

Von Christina von Hodenberg | Die britischen Universitäten befinden sich in einem rasanten Wandel – und daran hat der bevorstehende Brexit noch gar keinen Anteil. Die Wissenschaftspolitik der letzten zehn Jahre, seit dem Antritt der konservativen Regierung Cameron im Jahr 2010, setzte auf eine stark wettbewerbs- und kennzahlenbasierte Reform. Die Universitäten sollten wie auf einem Markt um ihre Kunden, die Studenten, konkurrieren. Die Geisteswissenschaften traf dies besonders hart.

Geisteswissenschaften in der Defensive? Neue Perspektiven und Herausforderungen -Ein Interview mit Eva Schlotheuber

Liebe Frau Schlotheuber, im September 2016 auf dem Historikertag in Hamburg wurden Sie zur Vorsitzenden des VHD gewählt. Was ging Ihnen damals durch den Kopf? Auf der Mitgliederversammlung ging es vor meiner Wahl ja recht turbulent zu, sodass ich dachte, hm – das wird sicher spannend! Was hat Sie in der ersten Hälfte Ihrer Amtszeit angetrieben? In den zurückliegenden zwei Jahren gab es einige »alte«, aber auch neue Anliegen, die den Verband und mich als Vorsitzende beschäftigt haben. Zu den zentralen alten Anliegen gehört die …

Gesellschaft braucht Geschichte: Perspektiven aus dem Studium

Foto von Io Josefine Geib, Gedenktafel vor Goethe-Universität

Ein Artikel von Io Josefine Geib Ich studiere Geschichte mit Begeisterung. Denn die Auseinandersetzung mit Geschichte bedeutet genau das Gegenteil von Stillstand: Bewegung. Geschichtswissenschaft zu betreiben bedeutet für mich, immer wieder neue Fragen an das Vergangene zu stellen. Geschichte verläuft nicht linear, Geschichte ist voller Bewegung und unser Blick auf das, was Geschichte ist, ändert sich permanent: Neue Entwicklungen bedürfen neuer Perspektiven auf Geschichte. Das Verhältnis von Geschichte und Gesellschaft konstituiert sich für mich in einer Wechselwirkung. Wie sehr die Geschichtswissenschaft Teil gesellschaftlicher Verhältnisse ist, …

War die Zukunft früher besser? Akademische und außerakademische Berufsperspektiven in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften

Stephan Lessenich eröffnet die Tagung "Berufsperspektiven in den Geisteswissenschaften"

Im Februar 2017 haben die Fachverbände Deutsche Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE), Deutsche Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (DGPuK), Deutsche Gesellschaft für Soziologie (DGS), Deutsche Vereinigung für Politikwissenschaft (DVPW) und Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD) in Kooperation mit der Schader-Stiftung erstmalig eine gemeinsame wissenschaftspolitische Konferenz zum Thema »Berufsperspektiven in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften« veranstaltet. Ausgangspunkt der Veranstaltung waren die prekären Bedingungen, unter denen der sogenannte Mittelbau oder wissenschaftliche Nachwuchs über die Fächergrenzen hinweg arbeitet. Befristete Qualifizierungs- und Projektstellen führen zu mangelnder Planbarkeit der Karrieren …

Universitäre Organisationsstruktur und wissenschaftliche Berufsperspektiven

Autor: Jens Borchert Zehn Thesen wider die allzu einfachen Lösungen1 1 (Fast) Niemand will eine Departmentstruktur um ihrer selbst willen errichten. Nach einer langen Phase des Schweigens in eigener Sache gibt es gegenwärtig eine rege Diskussion in den Geistes- und Sozialwissenschaften. In dieser Debatte sind zwei wichtige Fragen – jene nach der angemessenen Organisationsstruktur der Universitäten und jene nach der Möglichkeit besserer Berufsperspektiven des wissenschaftlichen Nachwuchses – bis zur Ununterscheidbarkeit miteinander vermengt. Das hat beiden Themen nicht gut getan. So wird gegenwärtig mehr über die …

Bratislava Declaration of Young Researchers

Erfolgreicher Startschuss der Bratislava Declaration of Young Researchers – das erste Brainstor-ming-Treffen in Brüssel am 18. März 2016, v. r. n. l.: Miguel Jorge, Bruno González Zorn, Charikleia Tzanakou, Emília Petríková, Lynn Kamerlin, Autor/-innen der BDYR, und Andrej Kurucz sowie Daniel Straka der slowakischen EU-Ratspräsidentschaft.

Foto: Erfolgreicher Startschuss der Bratislava-Deklaration junger Forscher/-innen – das erste Brainstorming-Treffen in Brüssel am 18. März 2016, v. r. n. l.: Miguel Jorge, Bruno González Zorn, Charikleia Tzanakou, Emília Petríková, Lynn Kamerlin, Autor/-innen der BDYR, und Andrej Kurucz sowie Daniel Straka der slowakischen EU-Ratspräsidentschaft. AutorInnen: Shane Bergin, Sarah Glück, Miguel Jorge, Ciara Judge, Lynn Kamerlin, Clara Isabel Luján MartÌnez, EmÌlia PetrÌková, Piotr Sankowski, Charikleia Tzanakou, Bruno González Zorn Die Bratislava-Deklaration junger Forscher/-innen versucht durch die Formulierung von Herausforderungen und klaren Lösungsansätzen Universitäten, Nationalstaaten sowie die …

Der Historikertag 2016 in Hamburg

Bebilderung Historikertag Hamburg, Fotograf Olaf Pascheit

Ein Interview mit Martin Schulze Wessel Herr Schulze Wessel, der 51. Deutsche Historikertag steht vor der Tür, und erstmals wird es ein Partnerland außerhalb Europas und Nordamerikas geben. Was gab den Ausschlag, Indien als Partnerland zu wählen? Es gibt eine lange Tradition der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Indien in Deutschland, ich erwähne nur den bedeutenden Religionswissenschaftler und Indologen Friedrich Max Müller (1823 – 1900), der allerdings nicht in Deutschland, sondern seit 1850 in Oxford lehrte. Zudem gibt es ein aktuelles Interesse, das sich auch in den …

Einführung. Wissenschaftlicher Nachwuchs: Unwucht im System korrigieren

Martin Schulze Wessel Die Lage an den deutschen Hochschulen ist, auch in den Geisteswissenschaften, in vielerlei Hinsicht gut: Der Spezialisierungsgrad der Forschung ist hoch, Forschungsmittel stehen durch die nationalen und europäischen Förderinstitutionen in beträchtlichem Maße zur Verfügung, und man kann an fast allen deutschen Universitäten wieder gebührenfrei studieren. Im Vergleich mit vielen anderen europäischen Ländern erscheint die Situation der Hochschule in Deutschland durchaus komfortabel.