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Die Bedeutung von Geschichtsbildern und Geschichtswissenschaft in Gesellschaften der arabischen Welt von heute

Autorin: Sonja Hegasy Die arabische Welt kämpft derzeit im wahrsten Sinne des Wortes mit ihrem postkolonialen Erbe. Die mit dem Ende der europäischen Fremdherrschaft verbundenen Hoffnungen sind für viele Bürger spätestens seit der Jahrtausendwende aufgebraucht – ein Aspekt, der in der Berichterstattung über die andauernden kriegerischen Auseinandersetzungen in der Region kaum angesprochen wird. Zu lange nutzte eine Riege autoritärer Herrscher die antikoloniale Legitimation und den Vertrauensvorschuss der Bevölkerung, um sich auf Dauer in zentralen Positionen des Staates festzusetzen und das Land wirtschaftlich auszubeuten. Mit ihrer …

Wie politisch ist die deutsche Geschichtswissenschaft? – Ein Interview mit Anna-Lena Scholz

Wie wichtig ist Geschichte für unsere Demokratie aus Ihrer Sicht als Journalistin? Es ist – egal ob als Journalistin oder Bürgerin – vor allem wichtig, sich diese Frage überhaupt zu stellen, um sich die Historizität demokratischer Prozesse immer wieder zu vergegenwärtigen. Dafür braucht es natürlich die Geschichtswissenschaft, die in ihrer Forschung die politischen, sozialen, ökonomischen und kulturellen Kontexte sichtbar macht, die Demokratie in der Vergangenheit und Gegenwart verhindert oder ermöglicht haben. Und es braucht Schulen, die dieses Wissen für relevant erachten. Aber natürlich ist die …

Jenseits des Schulstoffes

Ausbildung von Geschichtslehrern

FACHWISSENSCHAFTLICHE PERSPEKTIVEN ZUR AUSBILDUNG VON GESCHICHTSLEHRERN UND -LEHRERINNEN Autor: Frank Bösch Ein großer Teil unserer Geschichtsstudentinnen und -studenten möchte später an Schulen unterrichten. Häufig haben sie Erwartungen an das Studium, die nicht unserem Angebot entsprechen. Viele wünschen sich einen breiten Überblick und schultaugliche Inhalte, finden dann jedoch eher Spezialthemen jenseits des Lehrplans vor. Statt didaktisch vorbildlicher Veranstaltungen dominieren Vorlesungen und Seminare mit langen Referaten. Neue Ansätze wie die Generationengeschichte, Material Culture oder Human-Animal-Studies treffen auf angehende Geschichtslehrerinnen und -lehrer, die oft handfeste Themen wie »Die …

GEMEINSAME ERKLÄRUNG DES VHD UND DES VGD ZUM SCHULFACH GESCHICHTE

Der Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands und der Verband der Geschichtslehrer Deutschlands haben auf ihren Mitgliederversammlungen auf dem 51. Deutschen Historikertag in Hamburg im September 2016 eine Resolution zum Schulfach Geschichte beschlossen:1 1 Geschichtsunterricht ist unentbehrlich. Angesichts der aktuellen politischen, ökonomischen und sozialen Verwerfungen auf nationaler, europäischer und globaler Ebene muss eine Gegenwartsorientierung auf breiten historischen Bezügen, Vergleichen und Reflexionen beruhen. Der Geschichtsunterricht gewährleistet deren Vermittlung.

Geschichtswissenschaft und Geschichtsdidaktik im Dialog. Migration und Kolonisation in Wissenschaft und Unterricht

Autorinnen: Jessica Kreutz und Sitta von Reden Das Freiburger Tandemkonzept Seit dem Wintersemester 2015/16 bieten die Pädagogische Hochschule Freiburg und das Historische Seminar der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg gemeinsame Hauptseminare an, die Studierende frühzeitig an den Zusammenhang von Geschichtswissenschaft und Geschichtsdidaktik heranführen sollen. Die zweisemestrigen »Tandemseminare« werden von je einem Dozierenden der Pädagogischen Hochschule und der Universität kollegial veranstaltet und von Studierenden beider Hochschulen besucht. Im ersten Semester wird ein fachwissenschaftliches Seminar zu einem schulrelevanten Thema gehalten. Bereits bei der Auswahl der Inhalte und der Lektüre spielen …

Südwestdeutsche Archivalienkunde (SWA) – ein Beitrag zur Stärkung des »kleinen Fachs« Historische Grundwissenschaften

Autor: Robert Kretzschmar Im Oktober 2016 startete das Projekt »Südwestdeutsche Archivalienkunde«, das federführend vom Landesarchiv Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit dem Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften an der Universität Tübingen durchgeführt wird. Gefördert wird es vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg im Rahmen der »Landesinitiative Kleine Fächer«. Diese zielt auf eine Stärkung strukturprekärer Disziplinen, zu denen auch die Historischen Grundwissenschaften gerechnet werden können. Im Projektantrag war das Ziel des Vorhabens wie folgt skizziert: »Es soll den Erhalt wie auch die Weiterentwicklung der …

Editorial VHD Journal 2016

Martin schulze wessel LIEBE MITGLIEDER DES VERBANDES, aus der Vergangenheit sind selten einfache Schlüsse für die Gegenwart zu ziehen. Gleichwohl bietet die Geschichte einen Erfahrungsraum für die Debatte über aktuelle politische Fragen. Darum ging es in einer Tagung, die der Historikerverband am 17. Dezember 2015 in Kooperation mit der Max Weber Stiftung, dem Deutschen Historischen Institut Washington und der American Academy zu dem Thema »Wissen auf der Flucht. Deutsche Akademikerinnen und Akademiker auf der Flucht, 1933 – 1945« veranstaltete. Die von Simone Lässig und Carola …

Das Archivportal-D – ein neuer Zugang zu historischen Quellen in Verbindung mit der Deutschen Digitalen Bibliothek

Archivportal-D

Gerald Maier und Christina Wolf Quellen in Archiven sind die zentrale Grundlage für die historische Forschung. Mit dem Archivportal-D (www.archivportal-d.de)1 besteht seit Herbst 2014 ein zentraler kostenloser Einstiegspunkt für die Online-Recherche nach deutschen Archiven und Archivgut. Das Portal ermöglicht übergreifende Recherchen in Beständeübersichten und Findmitteln aus Archiven verschiedenster Sparten wie Staats- und Kommunalarchiven, Wirtschafts- oder Unternehmensarchiven, kirchlichen Archiven, Universitätsarchiven usw. Mit nur einem Suchvorgang erhalten Nutzer Treffer zu relevanten Erschließungsinformationen und, soweit vorhanden, auch einen direkten Zugriff auf digitalisierte Archivalien. Das Angebot bietet damit erstmals …

Forschungsliteratur und Dienstleistungen für die Geschichtswissenschaft: Fachinformationsdienste gehen an den Start

Gregor Horstkemper Zu den Herausforderungen des wissenschaftlichen Alltags gehört es, in Zeiten stagnierender oder schrumpfender Bibliotheksetats möglichst schnellen Zugang zu den für die Forschung und Lehre relevanten Veröffentlichungen zu bekommen. Nur ein Bruchteil der eigentlich als anschaffenswert betrachteten Monografien und Sammelbände kann an der eigenen Instituts- oder Universitätsbibliothek erworben werden, Zeitschriftenabonnements werden gestrichen, Fachdatenbanken werden an der eigenen Institution nicht lizenziert oder abbestellt.

Einführung. Wissenschaftlicher Nachwuchs: Unwucht im System korrigieren

Martin Schulze Wessel Die Lage an den deutschen Hochschulen ist, auch in den Geisteswissenschaften, in vielerlei Hinsicht gut: Der Spezialisierungsgrad der Forschung ist hoch, Forschungsmittel stehen durch die nationalen und europäischen Förderinstitutionen in beträchtlichem Maße zur Verfügung, und man kann an fast allen deutschen Universitäten wieder gebührenfrei studieren. Im Vergleich mit vielen anderen europäischen Ländern erscheint die Situation der Hochschule in Deutschland durchaus komfortabel.