Liebe Frau Breidenbach, welche Tätigkeit mussten Sie gerade unterbrechen, um unsere Fragen zu beantworten?

Die Vorbereitung für meine Lehrveranstaltung im Sommersemester 2019 zum Thema »Homo und femina migrans«.

Was gefällt Ihnen am besten an Ihrem Beruf?

Am besten gefällt mir der Abwechslungsreichtum meines Berufes. Kein Tag ist wie der andere. Zum einen mag ich die Lehre sowie den Kontakt zu den Studierenden. Es ist zwar immer noch etwas ungewohnt »auf der anderen Seite« zu stehen, aber ich diskutiere gerne mit den Studierenden und gebe mein Wissen weiter. Zum anderen natürlich ist die Arbeit im Archiv ein sehr spannender Teil des Berufes, der auch noch im Sommer bei 36 °C im Archivlesesaal Spaß macht.

Und was ist am schlimmsten?

Die Verwaltung des Wissenschaftsbetriebes. Vielfach wird der digitale Fortschritt gepriesen und doch muss dann immer noch ein Papierformular mit persönlicher Unterschrift eingereicht werden, was am Ende für alle Beteiligte ein erheblicher Mehraufwand ist.

Worum geht es in Ihrem Dissertationsprojekt?

Mein Dissertationsprojekt beschäftigt sich mit Mittelspersonen in protestantischen Emigrationen des 17. und 18. Jahrhunderts und ihren Netzwerken, Handlungsspielräumen sowie den damit verbundenen Machtstrukturen. Diese Mittelspersonen lassen sich als Kommissare, Diplomaten, Agenten und Geistliche fassen. Um ihre Handlungsmöglichkeiten zu untersuchen, gehe ich davon aus, dass sich in Migrationsregimen Machtverhältnisse entwickelten, die von den Mittelspersonen sowohl zu ihrem eigenen Vorteil als auch zum Vorteil anderer Akteure genutzt werden konnten. Methodisch wird dazu ein Ansatz aus der soziologischen Netzwerkforschung herangezogen, um so die Netzwerke, Beziehungen und daraus resultierenden Machtstrukturen qualitativ zu beleuchten.

Die Wege in eine wissenschaftliche Karriere sind oftmals steinig – planen Sie in der Wissenschaft zu bleiben?

Natürlich habe ich Ideen und Vorstellungen, wo es hingehen soll. Doch eine wissenschaftliche Karriere zu planen, ist aufgrund der aktuellen Gegebenheiten für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler schwierig. Die Wissenschaft ist ein zwar attraktives Arbeitsfeld und dort möchte ich gerne bleiben. Allerdings habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass der Weg vom Studium in die Wissenschaft nicht einfach ist. So hatte ich 2017 fast schon mit der Wissenschaft abgeschlossen und mich anderweitig orientiert, bevor ich mich dann bewusst für die Stelle an der FSU Jena entschieden habe.

Neben der wissenschaftlichen Lektüre – welches Buch lesen Sie gerade? Gefällt es Ihnen?

Momentan lese ich »Zurück zur Natur? Das wilde Leben des Jean-Jacques Rousseau« von Christina Landgrebe. In der Biografie beleuchtet sie Rousseaus vielfältiges Leben, seine Tätigkeiten und Umtriebe, aber auch seine gestörten Beziehungen zu seiner Sexualität, Frauen und seinen unehelichen Kindern (was eine Geschlechterhistorikerin ja ungemein interessiert). Landgrebe schafft es so, einen ungewöhnlichen Blick auf die ambivalente Person Rousseau zu werfen, was mir beim Lesen sehr viel Freude bereitet.

Sie sind seit Kurzem Mitglied im Ausschuss des VHD und vertreten die Promovierenden im Verband. Wie sind Ihre ersten Erfahrungen mit der Ausschussarbeit?

Vor der ersten Ausschusssitzung war ich schon etwas aufgeregt. Jedoch war die Sitzung sehr angenehm und ich fühlte mich auch als Promovierendenvertreterin ernst genommen. Natürlich bedeutet die Ausschussarbeit auch einen Mehraufwand zur Dissertation und der Lehrstuhlarbeit. Doch es ist auch eine bereichernde Erfahrung, in diesem Gremium mitzuwirken und Einblicke in die vielfältige Arbeit des Verbandes zu bekommen.

Welche inhaltlichen Schwerpunkte möchten Sie setzen?

Durch die Position der Promovierendenvertreterin möchte ich die Sichtbarkeit der Promovierenden im Verband stärken. 

Katharina Breidenbach 

Katharina Breidenbach ist seit April 2018 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Geschlechtergeschichte der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Zuvor war sie als Dozentin in der Erwachsenenbildung tätig. Ihr Studium absolvierte sie von 2006 bis 2014 an der Ruhr-Universität Bochum in den Fächern Chemie, Geografie, Geschichte und Gender Studies. Ihre Forschungsschwerpunkte sind historische Migrationsforschung, Konfessionsgeschichte der Frühen Neuzeit, Geschichte des Pietismus und die Geschlechtergeschichte. Seit April 2017 ist sie die Bundeskoordinatorin des Arbeitskreises Historische Frauen und Geschlechterforschung e. V. Auf dem Historikertag 2018 wurde sie in den Ausschuss des VHD gewählt.