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Vom Nutzen und Nachteil der Exilforschung für das Leben

Carola Dietze Kann die historische Exilforschung einen Beitrag zur gegenwärtigen »Flüchtlingskrise« leisten? Es war diese Frage, die zu dem Symposium »Wissen auf der Flucht« Anlass gab.1 Die Grundidee ist einfach: Die historische Forschung hat umfangreiches Wissen zur Geschichte der akademischen Emigration und Remigration nach 1933 hervorgebracht. So verfügen wir über detaillierte Kenntnisse bezüglich der Erfahrungen …

Förderprogramm für verfolgte Wissenschaftler: die Philipp Schwartz-Initiative

Die Alexander von Humboldt-Stiftung in Bonn vom Garten aus gesehen

Ein Interview mit Barbara Sheldon, Alexander von Humboldt-Stiftung Frau Sheldon, die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) hat die Philipp Schwartz-Initiative zur Unterstützung verfolgter Wissenschaftler gestartet. Was waren die Motive der Stiftung, eine solche Initiative einzurichten? Die aktuelle Flüchtlingssituation verdeckt den Blick darauf, dass politische Verfolgung weltweit in vielen Ländern ein Problem und meist kein Massenphänomen ist. …

Der Historikertag 2016 in Hamburg

Bebilderung Historikertag Hamburg, Fotograf Olaf Pascheit

Ein Interview mit Martin Schulze Wessel Herr Schulze Wessel, der 51. Deutsche Historikertag steht vor der Tür, und erstmals wird es ein Partnerland außerhalb Europas und Nordamerikas geben. Was gab den Ausschlag, Indien als Partnerland zu wählen? Es gibt eine lange Tradition der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Indien in Deutschland, ich erwähne nur den bedeutenden Religionswissenschaftler …

Der Nachwuchs aus Sicht der Mittelalterlichen Geschichte. Ein Interview mit Andreas Ranft

Lieber Herr Ranft, bitte geben Sie uns einen kurzen Einblick in den Beginn Ihrer akademischen Karriere. Welche Schwerpunkte haben Sie in Ihrem Studium gesetzt? Mein Studium war nicht mit einem bestimmten Berufsziel verbunden geschweige denn mit der Idee, Professor zu werden. Ich wollte mich bilden und fühlte mich an der Universität vom Curriculumszwang der Schule …

Dem Zufall ein Schnippchen schlagen

Stephan Lessenich »Das akademische Leben ist also ein wilder Hazard«, wusste schon Max Weber in Wissenschaft als Beruf zu berichten: »Wenn junge Gelehrte um Rat fragen kommen wegen ihrer Habilitation, so ist die Verantwortung des Zuredens fast nicht zu tragen.« Dass Weber hier mal wieder eine scheinbar zeitlos gültige Wahrheit des sozialen Lebens an- und …

Pluralität und Differenzierung in den Karrierewegen: Viele Wege sollten nach Rom führen, aber nicht alle

Dagmar Ellerbrock und Martin Jehne Die Lage des wissenschaftlichen Nachwuchses hat sich seit den 1990er Jahren in mancher Hinsicht verschlechtert. Das späte Eintrittsalter in eine unbefristete Position, das schon lange ein Merkmal des deutschen Wissenschaftssystems darstellt, ist unverändert, vielleicht sogar noch hinausgeschoben. Die erheblich angewachsenen Möglichkeiten, auf Drittmittelprojekten eine Finanzierung für einige Jahre zu ergattern, …

Nachwuchspflege

Werner Plumpe Derzeit wird wieder einmal über die Lage des Nachwuchses an den Universitäten diskutiert und wieder wird nicht über das eigentliche Problem geredet, sondern so getan, als gehe es um soziale Fragen. Doch ist das im Kern unzutreffend, weil im Fall der Universitäten akademische Probleme vorrangig sind. Worum geht es? Gemessen an der Zahl …

Tenure Track — die neue Mannheimer Schule?

Ernst-Ludwig von Thadden Obwohl Tenure Track in der deutschen Wissenschaftspolitik seit Jahren ein weit verbreitetes Modewort ist, ist es in Deutschland kaum wirklich umgesetzt. Ein entscheidender Grund hierfür ist die kameralistische Verwaltung deutscher Universitäten, die für jeden Professor und jede Professorin eine entsprechende haushaltsrechtliche »Stelle« braucht. Juniorprofessorinnen und Juniorprofessoren, die sich auf ihrer sechsjährigen W1-Stelle …

Quellenkritik im digitalen Zeitalter Die Historischen Grundwissenschaften als zentrale Kompetenz der Geschichtswissenschaft und benachbarter Fächer

Eva Schlotheuber und Frank Bösch Die Kompetenz, schriftliche und materielle Originalquellen vergangener Zeiten entschlüsseln und für die eigenen Fragestellungen fruchtbar machen zu können, ist die Grundvoraussetzung für die Arbeit aller historisch ausgerichteten Disziplinen — nicht nur in der Geschichtswissenschaft, sondern auch in benachbarten Fächern wie den Philologien, der Philosophie, Theologie, Kunst- oder der Rechtsgeschichte. Die …